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Überlegungen zum Integrationsauftrag der Bundeswehr in turbulenter Zeit

Zwei Schlagworte dominieren die gegenwärtige Diskussion in der Truppe: Transformation und Integration. Einem „Wanderer auf einer Düne“ vergleichbar stellt sich für die Bundeswehr im Zuge der Transformation ein doppelter Integrationsanspruch. Zum einen ist die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft als dauerhafte Aufgabe nach wie vor zu leisten. Zum anderen ist mit der Aufnahme von Wehrpflichtigen, Zeit- und Berufssoldaten die Integration der jungen Menschen in die Bundeswehr so zu gestalten, dass mitgebrachte Werte, Ansprüche und Ziele berücksichtigt werden und gleichzeitig die Eingliederung in den Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr gelingt. Die aktuelle Diskussion um die gesellschaftliche Integration von Migranten wird dabei insofern mitbehandelt, als es notwendig ist, Rekruten, Zeit- und Berufssoldaten aus allen Gruppen und Schichten der Gesellschaft in den Dienst der Bundeswehr zu integrieren. (Ausgabe: 07/2007)

Als managementgeleiteter Prozess der Kaskadierung von Veränderungen wirkt Transformation desintegrierend. Bewährte Routinen und Teile der militärischen Ausbildung werden obsolet, Einsätze im Ausland wirken fremd und werden als bedrohlich wahrgenommen. Die demographische Asymmetrie gegenüber sogenannten „Youth Bulge“-Staaten wie Afghanistan, in denen die männlichen Nachkommen als „überzählige Söhne“ weniger zu verlieren zu haben scheinen und oft die einzige Lebenschance beim Militär suchen, verstärkt die „Dauerkontingenz“ des militärischen Dienstes. Wenn die Transformation zu Fragmentierung und Desintegration führt, dann liegt es auf der Hand, dass sich die militärische Führung verstärkt um die Integration der Soldatinnen und Soldaten kümmern muss. Die Soldatinnen und Soldaten werden die vielfältigen Veränderungen dann aktiv mitgestalten, wenn sie erkennen, dass ihr Wollen und Können gefragt sind und dass die Transformation keine grundsätzliche Bedrohung von Status, Beschäftigung und Lebensplanung bedeutet. Integrationsmanagement wird zum tragenden Element der Transformation.

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Grafik zum Thema „Integration auf den Transformationsstufen“

Integration auf den Transformationsstufen (Quelle: M. Becker/I. Labucay)Größere Abbildung anzeigen

Von der traditionalen zur transformierten Armee

Die Bundeswehr ist in ihrer gesellschaftlichen Einbettung den gegensätzlich wirkenden Kräften der Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung ausgesetzt. Geht Vergemeinschaftung nach Max Weber auf Zusammengehörigkeitsgefühl, emotionale Bindung, Normen und gelebte Werte der sozialen Akteure zurück, gründet sich Vergesellschaftung auf durch Satzung bestimmte Anspruchsrechte und Leistungspflichten. Im folgenden werden idealtypische Kristallisationspunkte der Transformation anhand der Entwicklungsstadien der traditionalen, der transitionalen und der transformierten Armee betrachtet.

Relative Stabilität kennzeichnet die Lage der traditionalen Armee. Traditionale Armeen sind von einem emotional-völkischen Wehrverständnis geprägt. Soldaten verteidigen als „archaische Kämpfer“ Werte, Traditionen, die Familie, den Clan, den Stamm und das Volk, dem sie sich zugehörig fühlen. Der Wirkungsgrad der Transformation ist begrenzt. Das Bild der traditionalen Armee ist von Bürokratie, Routine und Stabilität geprägt. Transformationsbescheide zur Ausmusterung von Gerät, die Variation von Laufbahnen und die Umorganisation von Verbänden sind Ausdruck der reformarmen traditionalen Armee. Die traditionale Armee ist eine Allfunktionsarmee, die in Einheiten wie Corps und Divisionen untergliedert ist und die in verfügbaren Panzern, Flugzeugen und Schiffen denkt, die sie in redundanter Zahl vorhält.

Als transitionale Armee ist die Bundeswehr eine Armee des Übergangs zwischen Vergesellschaftungs- und Vergemeinschaftungstendenz. Einem aufgeklärt-rationalen Wehrverständnis verpflichtet, schützt die transitionale Armee als Verteidigungsarmee das Staatsgebiet, als Verfassungsarmee garantiert sie den Schutz der Grundrechte gegen Angriffe von Außen. Die Ratio bestimmt den Wehrwillen der Bürger, die emotionale Bindung ist reduziert. Der Soldat wird zum Vertragspartner, in extremer Form zum Söldner, der dem Herren dient, der seine Ansprüche auf Einkommen am besten befriedigt. Die Rechte und Pflichten des „Vertragssoldaten“ ergeben sich aus der Vertragspflicht („pacta sunt servanda“). Durch die Zunahme des „Contracting“ wird die temporale, lokale und personale Bindung der Leistungserstellung sukzessive aufgehoben. Die Kernarmee ergänzt sich anlassbezogen dort, wo der Auftrag zu erfüllen ist. Nur die unverwechselbaren Kernfunktionen wie die Führungskräfteentwicklung und die Ausbildung und der Einsatz von Spezialkräften für Auslands- und Katastropheneinsätze verbleiben in Eigenregie. Die Privatisierung der Informationstechnologie der Bundeswehr durch Bildung eines Private Public Partnership (PPP) ist ein Beispiel für die Teilausgliederung von nicht zum „Kerngeschäft“ zählenden Aufgaben. Peripheriefunktionen wie Fuhrpark, Bekleidungsmanagement, Forschung und Entwicklung und zukünftig vielleicht auch das Verpflegungsmanagement, werden zunehmend fremdvergeben (Make-or-Buy).

Die transformierte Armee ist der Armee der spätrömischen Epoche vergleichbar. Die Goten und viele andere Völker stellten dem römischen Imperium sogenannte Foederatenarmeen, die dem Imperium im Austausch für Ihre Versorgung Waffenhilfe schuldeten. Das römische Reich praktizierte somit bereits die Philosophie der transformierten Agenturarmee. Die Lösung kriegerischer Auseinandersetzungen wird in der Agenturarmee an „Verteidigungsunternehmen“ („War-Brokers“) vergeben, die durch punktuelle, genau spezifizierte Verträge zur Beseitigung oder Vermeidung von Bedrohung gebunden und nach Vertragserfüllung wieder entlassen werden („At will contracting“). Die Agenten der Armee handeln Verträge aus, kontrollieren den Kriegserfolg und behalten die Leistungsfähigkeit der Kontraktpartner unter dem Vorzeichen ökonomischer Kosten-Nutzen-Überlegung im Auge. Die amerikanische Armee vergibt in großem Umfang Sicherheitsdienstleistungen an privatwirtschaftliche „Security companies“ mit fallbezogen wechselndem Auftrag, auf die Dauer einer singulären Operation beschränkter Vertragslaufzeit und risikoabhängiger Vergütung. Die Agentur-Armee als Ausdruck einer sich durch punktuelle Integration auszeichnenden, transformierten Armee ist gedachter, ferner Endpunkt einer fortgesetzten Flexibilisierung und Liberalisierung der Leistungsbeziehungen in der Bundeswehr. Es leuchtet ein, dass die Entwicklung von der traditionalen über die transitionale zur transformierten Armee ceteris paribus zu Desintegration führt.

Die Zukunft der Bundeswehr wird in einem Oszillieren zwischen der profanen Integration der transitionalen Armee und der punktuellen Integration der transformierten Armee bestehen. Gewinnt die Vergesellschaftungstendenz die Überhand, werden Integrationserfolge zurückgenommen, es droht eine Rückentwicklung zur punktuellen Integration, die es versäumt, die Menschen als Leistungsträger und erfolgskritische Größe in die Transformation mitzunehmen. Menschen stehen jedoch unbestritten im Mittelpunkt der Transformation. Die humane und die instrumentell-technische Dimension der Transformation müssen zueinander in Einklang stehen. Will die Bundeswehr beides, Transformation und Integration, dann sind beide Ansprüche miteinander in Beziehung zu setzen. Es sind Instrumente zu entwickeln, die die Transformation durch Integrationsmanagement stützen bzw. (unter der Prämisse der Erhaltung der Leistungsfähigkeit) erst möglich machen.

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Grafik zum Thema „Integrative Handlungsfelder“

Integrative Handlungsfelder (Quelle: M. Becker/I. Labucay)Größere Abbildung anzeigen

Förderung der Transformation auf integrativen Handlungsfeldern

Die Bundeswehr hat durch ein kluges Integrationsmanagement dafür Sorge zu tragen, dass die Veränderungen nicht im Kanonendonner der Transformationsrhetorik verhallen und zwischen Baum und Borke stecken bleiben. Der umfassende Veränderungsanspruch der Transformation ist nur zu erfüllen, wenn Maßnahmen systematisch geplant und nachvollziehbar umgesetzt werden. Transformation muss sein, aber auf der Basis solider Planung, klarer Ziele, einer Entsprechung von Ressourcen und Auftrag und begleitet von einer beherzten und nachhaltigen Umsetzung und einem wirkungsvollen und ehrlichen Controlling der Ergebnisse. Normen, Bildung, Inklusion und Exklusion und die Traditionspflege sind wesentliche integrative Handlungsfelder zur Gestaltung der Transformation durch Integration.

Integration durch Normen

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte bilden als demokratische Grundwerte den Wertekanon der Bundeswehr. Das Grundgesetz (Artikel 3, 4, 12a, 17a), das Soldatengesetz und die zentralen Dienstvorschriften, insbesondere die ZDV 10/1 „Innere Führung“, bestimmen als kodifizierte Normen den Integrationsanspruch der Bundeswehr. Integration wird in der ZDV 10/1 charakterisiert als „Einbindung der Bundeswehr in Staat und Gesellschaft“ mit dem Ziel, das Verständnis für den Verteidigungsauftrag zu wecken und zu festigen. Als Vokabel taucht Integration danach nur noch an einer Stelle auf, an der betont wird: Informationsarbeit „stellt damit auch einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Integration der Bundeswehr in Staat und Gesellschaft dar.“ Der gesatzte Wertebestand wird ergänzt durch den traditional erworbenen, nicht kodifizierten Wertekanon, den neu eintretende Soldatinnen und Soldaten verinnerlichen müssen. Formen der Kameradschaft und der Traditionspflege sind Ausdruck solcher aus der Praxis gewachsener Normen. Sie bewirken Integration aus Routine.

Weil die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sich in den Einsätzen mit religiös-emotional motivierten Gegnern auseinandersetzen müssen, werden sie die eigene moralisch-ethische Position stärker reflektieren. Die Möglichkeit, dass aus dieser Reflexion eine religiös-emotionale Motivation, eventuell ein Gegen-Fundamentalismus, erwächst, muss von den verantwortlichen Militärpolitikern und -strategen gesehen werden. Es ist nicht zu übersehen, dass die Einsatzkräfte die Sinnfrage ihrer Einsätze z. B. bei 40 Grad Celsius, in Sandstürmen und bei höchster Gefahr für Leib und Leben, immer öfter stellen. Integration durch Normen stellt sicher, dass die Soldatinnen und Soldaten, egal ob in der Ausbildung oder im Einsatz, auf einem gemeinsamen Wertefundament stehen und in der Ausübung ihres Dienstes Verhaltenssicherheit haben.

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Integration durch Bildung

Bildung ist der zentrale Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Bildung erschließt als „Werterziehung“ das normative Handlungsfeld, legt Handlungsgrenzen fest und bestimmt die positiven und negativen Sanktionen des Handelns. Werterziehung in der Bundeswehr verdeutlicht die „Rules of engagement“, verhindert Racheakte und Fehltritte. Basisintegration durch Bildung bedeutet das „Nachholen“ puritanischer Tugenden wie Pünktlichkeit, Gehorsam und Fleiß sowie Maßnahmen der Ausbildung der Ausbilder und der politischen Bildung. Politischer Bildung kommt als integratives Handlungsfeld eine Vorrangstellung in der Bildungsarbeit zu, sie ist zentrales Element der Inneren Führung. Ziel ist die Vermittlung eines demokratischen Selbstverständnisses, basierend auf der Beachtung der Unverletzlichkeit der Menschenrechte, dem Völker- und Kriegsvölkerrecht, der Fähigkeit zum Umgang mit Konfliktlagen und dem Respekt vor anderen Kulturen.

Ungeprüfte Vorannahmen und Stereotype über mangelnde Lern- und Leistungsbereitschaft der Soldaten, aber auch überzogene Lernziele sind zu vermeiden. Eine durch Bildung erreichte integrative Handlungsorientierung ist erreicht, wenn Soldaten in der militärischen Ausbildung gelernt und verstanden haben, was in bestimmten Situationen des Dienstes zu tun ist. Bildung vermittelt auch die Einsicht in die Notwendigkeit von Einsätzen. Sinnvermittlung und Akzeptanz aus Wissen sind notwendige Elemente einer auftragsgeführten Armee.

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Grafik zum Thema „Inklusion und Exklusion als integratives Handlungsfeld“

In- und Exklusion als integratives Handlungsfeld (Quelle: M. Becker/I. Labucay)Größere Abbildung anzeigen

Integration durch Zugehörigkeit (Inklusion) und Nichtzugehörigkeit (Exklusion)

Gesellschaftliche Institutionen leiten ihre Berechtigung aus der einmaligen und einzigartigen Leistung ab, die sie für die Gesellschaft als Ganzes erbringen. Die Spezifität des Verteidigungsauftrags verlangt Soldatinnen und Soldaten, die sich dieser Besonderheit unterordnen. Die Bundeswehr verwehrt Bewerbern den Zugang, die die besonderen Bedingungen des Dienstes in der Bundeswehr nicht erfüllen. Andererseits verweigern junge Männer den Eintritt in die Bundeswehr, weil sie den Militärdienst ablehnen. Das Einschließen oder Integrieren (Inklusion) und das Ausschließen oder Desintegrieren (Exklusion) gehören als dialektischer Urvorgang der Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit, von Gruppenbildung und Kultur untrennbar zusammen. Integration wird durch einen mehrstufigen Selektionsprozess erreicht. Auf die Entscheidung über die Mitgliedschaft (Eintrittsentscheidung) folgt auf der nächsten Integrationsstufe die Entscheidung, Aufgaben zu übernehmen und Entwicklungsmöglichkeiten in der Armee anzustreben (Leistungs- und Verbleibsentscheidung). Die während des Wehrdienstes zu erbringenden Leistungen sind weitgehend standardisiert und nicht zur Disposition des Einzelnen stehend. Dagegen bestehen Freiheitsgrade in der Entscheidung über die Vertragsdauer von Soldaten. Auch gibt es Wahlmöglichkeiten hinsichtlich Teilstreitkraft, Waffengattung und Standort. Auf der abschließenden Inklusionsstufe erfolgt die Übernahme von Werten und Normen und deren Umsetzung im Dienst (Wertvertretungsentscheidung).

Wäre die Bundeswehr ihren Basiswerten, ihrer Tradition und ihrem Selbstverständnis entsprechend ein geschlossenes System, hätte sie erhebliche Probleme, ihre Mitglieder aus der Mitte der Gesellschaft zu rekrutieren. Verhielte sich die Bundeswehr dagegen undifferenziert gegenüber allen aus der Gesellschaft kommenden Impulsen als offenes System, wäre ihr „alles gleich wert; sie wäre nichts wert.“ Die Entscheidung über Auswahl und Ablehnung, über Inklusion und Exklusion, ist konstituierend für die Integrationsleistung der Bundeswehr.

Integration durch Traditionspflege

Tradition als wertorientierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und Traditionspflege als Teil der soldatischen Ausbildung haben das Ziel, die geistige und politische Mündigkeit des Soldaten und die Integration der Bundeswehr in Staat und Gesellschaft zu fördern. Vorbildhaftes Verhalten einzelner Personen oder Einheiten sind Ankerpunkt und Leitlinie getreu der Erkenntnis, dass es nicht ausreicht, „sich wertneutral auf das militärische Handwerk zu beschränken.“ Traditionspflege als integratives Handlungsfeld ist nicht „verordnet“. Individuelle Wertentscheidungen bestimmen über das Traditionsverständnis mit, wobei Grundgesetz und Soldatengesetz die Funktion zukommt, den individuellen Freiheitsgraden der Wertsetzung einen Rahmen vorzugeben. Abschließend lässt sich bei aller Ambivalenz des Traditionsbegriffes und dem fortwährenden Überprüfungsbedarf der Praxis der Traditionspflege feststellen, dass Traditionsbewusstsein über politische Bildung und tradierte Werte und Normen zur Sicherung eines humanen Miteinanders und zur Stärkung der Leistungsfähigkeit beiträgt.

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Zusammenfassung und Ausblick

Die Vermittlung der Transformation ist Führungsaufgabe auf allen militärischen Kommando- und Führungsebenen. Transformation ist ein immer wieder zu erneuernder Vorgang, denn „auch in einem freiheitlich verfassten Rechtsstaat müssen Freiheit und Recht täglich verteidigt, neu erworben werden.“ Vor allen Dingen darf Transformation nicht als Austausch eines fixen Bezugspunktes in der Gegenwart durch einen neuen Fixpunkt irgendwo in der Zukunft missverstanden werden. Vielmehr sind Transformationsbereitschaft und Transformationsfähigkeit mindestens im Gleichschritt mit der gesellschaftlichen Veränderung zu erzielen und zu bewahren. Das tradierte und stets zu erneuernde Wertefundament, Maßnahmen der Bildung, gelebte und sichtbare Zeichen der Inklusion und Exklusion und eine der gesellschaftlichen Lage angemessene Traditionspflege sind wesentlicher Bestandteil des Integrationsmanagements.

Bei alledem ist Augenmaß zu bewahren. Für die Integrationsfähigkeit der Bundeswehr bestehen Grenzen. Die Bundeswehr muss zwar in internationale Verbände, in extrem unterschiedliche Einsatzsituationen integrierbar sein. Es ist aber darauf zu achten, dass sie die seit ihrer Gründung gewollte und gelebte Andersartigkeit, z. B. das spezifische normative Selbstverständnis des Konzeptes der Inneren Führung, nicht preisgibt. Die Konsequenz aus der Ablehnung eines völkisch geprägten Traditionsverständnisses kann nicht darin bestehen, die Perspektive auf einen Verfassungspatriotismus zu verengen. Wird Integration auf Bindung qua Satzung reduziert, ist das Bild nur zur Hälfte erfasst. Bildung und Qualifikation, die an den Intellekt des Menschen appellieren, sind ein notwendiger aber nicht hinreichender Bestandteil der Integrationsarbeit. Integration, die dem Grunde nach auswendig gelernt und in Fragekatalogen abgefragt werden kann, bleibt an der Oberfläche. Diese in gewissem Sinne profane Integration ist durch eine profunde Integration zu ergänzen, die dem Bedürfnis des Menschen nach Zugehörigkeit entspricht. Transformation der Bundeswehr muss über die technische Dimension der Planung und der informatorischen Vernetzung hinausweisen auf die Soldatinnen und Soldaten. Sie muss sich in der Transformation der integrativen Instrumente fortsetzen, die eine Stabilisierung des bereits Erreichten ermöglicht. Transformation braucht Integration.

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Literatur

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Stand vom: 04.12.13 | Autor: Prof. Dr. Manfred Becker, Inéz Labucay


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