Gemeinsam dienen
Soldaten und ihre Familien in einer Armee im Einsatz - Insbesondere nach Öffnung der Laufbahnen in den Streitkräften für Frauen, aber auch durch lange Abwesenheiten bei Auslandseinsätzen müssen sich Soldatenfamilien neuen Herausforderungen stellen. Sowohl die Rolle der Soldatin gilt es zu betrachten als auch die Anforderungen, die der Lebenspartner oder die Lebenspartnerin zu bewältigen haben, während der Mann oder die Frau im Ausland eingesetzt ist. (Ausgabe: 04/2009)

Die Familie ist vor einigen Jahren von der Politik wiederentdeckt worden. Diese Renaissance kommt aber ohne die früheren ideologischen Grabenkämpfe um das richtige Familienbild aus. Diskutiert werden vielmehr pragmatisch die Anforderungen, Ansprüche und Bedingungen an ein Zusammenleben in der privaten Gemeinschaft auf dem Hintergrund der heutigen gesellschaftlichen Realität von unterschiedlichen Lebensformen.
Als Familie gelten mittlerweile nicht nur erziehende Ehepaare, sondern auch Lebensgemeinschaften mit Kindern sowie Alleinerziehende. Die traditionelle Familie bleibt zwar die mit Abstand häufigste Lebensform, allerdings mit abnehmender Tendenz.
Für die Familienpolitik sind diese Strukturen von großem Interesse unter anderem für die Planung der staatlichen Transferleistungen und bei der Verbesserung der Infrastruktur. Beispielsweise besteht ab 2013 ein Anspruch auf einen Krippenplatz für unter Dreijährige.
Angesichts kontinuierlich abnehmender Geburtenraten von deutschen Paaren gerät die Motivation für den Kinderwunsch in das Blickfeld der Forschung. Ein wesentlicher Faktor wurde mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eruiert. Der Wandel der Arbeitswelt, in der verstärkt Flexibilität und Mobilität gefordert werden, bedeutet für viele Paare, dass beide Partner zum Haushaltseinkommen beitragen müssen.
Daneben ist der Wunsch gut ausgebildeter Frauen vorhanden, auch als Mutter im Berufsleben integriert zu bleiben. Die Realität der familiären Aufgabenverteilung fällt derzeit noch zu Lasten der Frauen aus.
Zentraler Anwendungsbereich der Inneren Führung
Die Motivationslage der jungen Eltern korrespondiert aus volkswirtschaftlicher Sicht durchaus mit dem künftigen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften aufgrund des demoskopischen Wandels in der Gesellschaft. Viele Arbeitgeber haben bereits ihre Verpflichtung erkannt, den Familien tragfähige Lösungen anzubieten.
Das gilt auch für die Bundeswehr. Insbesondere nach der Öffnung der Laufbahnen in den Streitkräften für Frauen 2001, aber auch durch die langen Abwesenheiten in den Auslandseinsätzen stellt sich diese Problematik für die Streitkräfte mit allen Aspekten.
Sowohl die Rolle der Soldatin im Einsatz gilt es zu betrachten als auch die Anforderungen, die der Lebenspartner oder die Lebenspartnerin am Heimatort zu bewältigen haben, während der Mann oder die Frau im Ausland eingesetzt ist.
Damit ist ein zentraler Anwendungsbereich der Inneren Führung angesprochen und als solcher von den Verantwortlichen erkannt worden. Eine Teilkonzeption „Vereinbarkeit von Familie und Dienst“ trifft dazu Regelungen. Auch für die sozialwissenschaftliche Forschung liegt ein interessanter Gegenstand vor, mit dem die Öffnung des Militärs für gesellschaftliche Entwicklungen analysiert werden kann.
Maren Tomforde gibt in ihrem Aufsatz dazu einen aktuellen Überblick.
Zusammenfassung
Streitkräfte und Familie sind soziologisch gesehen zwei „gierige“ soziale Institutionen, die dem Soldaten alles abverlangen wollen. Durch die einsatzbedingte Trennung wird dieses Spannungsverhältnis noch verstärkt.
Der gesellschaftliche Einstellungswandel zugunsten der Familie stellt die Bundeswehr als „Armee im Einsatz“ vor neue Herausforderungen. Die Belastungen der Soldatenfamilien unterscheiden sich in ihrer Ausprägung in den Phasen vor, zu Beginn, während und nach dem Einsatz.
Die gestiegene Gefährdungslage in Afghanistan gestaltet die Vereinbarkeit von Familie und Dienst zunehmend schwieriger und fordert vom Dienstherrn zusätzliche Maßnahmen.
Autor
Dr. Maren Tomforde, Jahrgang 1970, ist seit 2007 Dozentin für Ethnologie und Federführende für den Bereich Interkulturelle Kompetenz an der Führungsakademie in Hamburg. Von 2003 bis 2007 war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr tätig und erforschte die Auslandseinsätze der Bundeswehr auf dem Balkan und in Afghanistan aus ethnologischer Perspektive.
Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich ethnologischer Friedens- und Konfliktforschung, Migration/Diaspora, Interkulturelle Kompetenz, Kultur und Raum sowie der Religionsethnologie.

